Erfolgsgeschichte Nico

Als Jugendlicher wusste Nico Orlik noch nicht genau, wohin es beruflich gehen sollte. Gleichzeitig war ihm bewusst, dass ihm seine körperliche Einschränkung als Rollstuhlfahrer und seine eher schwachen Schulnoten den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt erschweren würden. Seine Reha-Beraterin ermutigte ihn daher, das ALBBW kennenzulernen. Ein Schritt, der sich als entscheidende Weichenstellung herausstellen sollte.

Orientierung und Entscheidung: Der Weg zum Bürokaufmann

Mit 17 kam Nico zum ALBBW. Dort begann er zunächst eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB). In dieser Zeit konnte er verschiedene Berufsfelder ausprobieren, darunter auch Büro- und IT-Kaufmann. Schnell wurde klar, dass der Beruf des Bürokaufmanns gut zu ihm passen würde: organisatorische Aufgaben, klare Strukturen und ein Arbeitsumfeld, das er trotz seiner Einschränkungen vollständig nutzen konnte.

Auch wenn es inzwischen andere Ausbildungsangebote im ALBBW gibt, ist Nico mit seiner Wahl zufrieden: Die Ausbildung hat ihm viele berufliche Möglichkeiten eröffnet.

Ausbildung zwischen Theorie und Praxis

Seine Ausbildung erlebte Nico als sehr ähnlich zu einer Ausbildung in einem regulären Betrieb. Besonders prägend waren die beiden Praktika bei Total Deutschland. Dort wurde er intensiv eingearbeitet, durfte selbständig arbeiten und übernahm verantwortungsvolle Aufgaben. Diese Erfahrungen bestätigten ihn in seinem Berufswunsch und gaben ihm zusätzliches Selbstvertrauen.

Eine verzahnte Ausbildung (VAmB) wäre grundsätzlich sogar möglich gewesen, scheiterte aber an internen Umstrukturierungen. Trotzdem blickt Nico positiv auf die Zeit zurück: Die Praktika boten ihm wertvolle Einblicke in die reale Arbeitswelt.

Der Weg in die Arbeitswelt

Nach seinem Abschluss bewarb sich Nico aktiv auf Stellenangebote. Dabei wurde er von der Integrationsberatung und seiner Reha-Beraterin unterstützt. Der Übergang gelang nicht sofort, weshalb er zunächst in einem Seniorenheim arbeitete und Bewohner*innen betreute. Diese Zeit prägte ihn: Er sammelte neue Erfahrungen, übernahm Verantwortung und entwickelte ein erweitertes Verständnis für Menschen und ihre Bedürfnisse.

Nur drei Monate später fand er seine heutige Anstellung in der öffentlichen Verwaltung – und setzte sich dabei gegen viele andere Bewerber*innen durch.

Sein Arbeitsalltag heute

Nico arbeitet inzwischen im Sekretariat einer Behörde. Seine Aufgaben sind vielfältig und organisatorisch geprägt: Abwesenheiten prüfen, Telefonate führen, E-Mails schreiben, Bestellungen tätigen, Post bearbeiten und Kolleg*innen unterstützen.

Dabei hat er ein klares Ziel: „Ich versuche, alles Mögliche zu schaffen und manchmal auch Unmögliches möglich zu machen“, sagt er schmunzelnd.

Gleichbehandlung statt Sonderbehandlung

Nico ist besonders wichtig, wie ein ganz normaler Kollege behandelt zu werden. Er möchte keinen Sonderstatus erhalten oder „in Watte gepackt“ werden, sondern als vollwertiges Mitglied des Teams gesehen werden. Und genau das erlebt er in seinem Arbeitsumfeld.

Was ihm während der Ausbildung half

Nico schätzte am ALBBW besonders, dass es immer persönliche Ansprechpartner*innen für jedes Anliegen gab. Er sagt: “Ich habe versucht, die verschiedenen Angebote nicht zu sehr zu nutzen, weil es das ja später auch nicht gibt. Aber ich fand es sehr beruhigend zu wissen, dass jemand da gewesen wäre bei jedem Problem.” Entscheidend für ihn war die respektvolle und normale Behandlung: Keine Überbehütung, keine Sonderrolle – genau das hat ihm gutgetan.

Sein Rat an Auszubildende

Hilfe annehmen, positiv an Herausforderungen rangehen und Chancen nutzen.  Gerade auch außerhalb des Unterrichts konnte er viel lernen. Über seine eigene Tätigkeit in der Teilnehmendenvertretung sagt er:  “Ich würde jedem Azubi empfehlen solche Ämter und Möglichkeiten zu nutzen, um selber weiter zu wachsen. Das steigert das Selbstwertgefühl und die Toleranz, und man wird stärker.”

Sein Fazit
Das ALBBW ist eine wertvolle Chance für Menschen mit Behinderungen oder schwierigen Startbedingungen.
Er würde es klar weiterempfehlen und gleichzeitig motivieren, nach Möglichkeit den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt anzustreben.

Trau dich, Verantwortung zu übernehmen. Die Arbeit in der Teilnehmendenvertretung hat mir gezeigt, wie sehr man dabei über sich hinauswachsen kann.

Portraitfoto von Nico Orlik

Nico Orlik

Assistent in der öffentlichen Verwaltung