Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin

Behindertenbeauftragter Jürgen Dusel zu Gast im ALBBW

Margrit Zauner, Kerstin Stoye, Monika Jorkowski, Jürgen Dusel, Sonja Staack, Christine Sauer (v.l.n.r.) Quelle: ALBBW/Hausstein

Am 30. August 2018 besuchte Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, das Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin (ALBBW). Frisch im Amt nahm er sich bereits die Zeit, um vor Ort einen Eindruck über Praxis, Probleme und Bedürfnisse bei der beruflichen Ausbildung und Förderung junger Menschen mit Handicap im Berliner Berufsbildungswerk zu gewinnen. Erklärtes Ziel seiner Amtszeit: mehr betriebliche Ausbildungsplätze für Jugendliche mit Behinderungen. Wie der Weg dahin gelingen kann, darüber sprach er mit dem Vorstand des Trägervereins Berufsbildungswerk Berlin (BBW e. V.) sowie Geschäftsführung und Teilnehmendenvertretung des ALBBW.

Schnell wurde deutlich, dass es sich hier um keinen formalen Antrittsbesuch handelte. Jürgen Dusel ist der Austausch zu Fragen der Inklusion wichtig: Bei einem Rundgang durch verschiedene Lernorte gab er jedem Gesprächspartner die Hand, stellte sich und seine Ziele vor, aber vor allem stellte er Fragen, die weit über Ausbildungsinhalte und Projekte hinausgingen – von den persönlichen Erfahrungen jedes einzelnen wollte er hören, Anregungen für seine neue Aufgabe sammeln.

In der Holzwerkstatt galt seine Aufmerksamkeit ganz den Auszubildenden: Er fragte nach der Berufswahl, Begleitung neben der Ausbildung, Perspektiven im Anschluss. Beim aktuellen Projekt, der Bearbeitung von Furnier, gab er sich metaphorisch „Ich will immer alles begreifen“, beim Gespräch im kaufmännischen Bereich humorvoll: „Gefällt Ihnen die Ausbildung wirklich oder nur weil ihre Ausbilderin daneben steht?“, scherzte er. Jürgen Dusel schlug aber auch ernste Töne an: „Ich wünsche mir, dass Unternehmen endlich aufwachen, sich dem Thema Inklusion öffnen.“ Er spricht aus Erfahrung, hat der Jurist doch trotz guten Studienabschlusses ein Jahr bis zur ersten Anstellung warten müssen. 

Selbst mit einer Sehbeeinträchtigung geboren, betonte er, dass nur vier Prozent aller Betroffenen mit einer Behinderung geboren werden – bei den meisten Menschen tritt eine Behinderung erst später ein. „Inklusion deswegen allein im Bereich Bildung zu diskutieren, ist viel zu kurz gefasst.“ Seinem Empfinden nach sollte sich jeder mit der Frage befassen, was in seinem Verantwortungsbereich dafür getan werden kann. Gegebenheiten und Möglichkeiten der beruflichen und gesellschaftlichen Teilhabe diskutierten die Vorstandsvorsitzende des BBW e. V. Margrit Zauner, Sonja Staack, ebenfalls Vorstandsmitglied des Trägervereins, die ALBBW-Geschäftsführerinnen Kerstin Stoye und Christine Sauer sowie ein Vertreter der Teilnehmenden ausführlich mit dem neuen Behindertenbeauftragten. 

Jürgen Dusel hat als Motto seiner Legislaturperiode „Demokratie braucht Inklusion“ gewählt – beides gehört zusammen wie zwei Seiten einer Medaille. Dieses Motto ist aktueller denn je und ein Ansatz, den die Namensgeberin Annedore Leber mit ihrem Wirken von Anfang an verfolgte: „Wer kein 
‚Nie-Wieder‘ will, muss jungen Menschen eine Perspektive im Leben bieten, das gelingt auch durch Ausbildungsmöglichkeiten.“, bringt Margrit Zauner, Vorstandsvorsitzende des BBW e. V., Lebers Lebensaufgabe und den Auftrag der Bildungseinrichtung auf den Punkt. Pressemitteilung


Das Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin (ALBBW), eine rehabilitationsspezifische, außerbetriebliche Einrichtung, bildet seit 1979 junge Menschen mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf beruflich aus. Dazu gehören junge Erwachsene mit Körper-, Sinnes- und Lernbehinderungen sowie psychischen Erkrankungen. Ziel ist es, den jungen Menschen durch eine praxisnahe Ausbildung den Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu ebnen und ihnen so eine selbstbestimmte Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das ALBBW ist eine der größten Berliner Ausbildungseinrichtungen für junge Menschen mit Behinderungen und komplexem Unterstützungsbedarf, die Finanzierung erfolgt überwiegend durch die Bundesagentur für Arbeit. Träger des ALBBW ist der gemeinnützige Verein Berufsbildungswerk Berlin e. V. Als ordentliche Mitglieder gehören ihm das Land Berlin, die Handwerkskammer Berlin, die Industrie- und Handelskammer zu Berlin, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft und die Gemeinde Zeuthen an.