Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin

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Nico Orlik

ALBBW-Absolvent 2014, Assistent in der öffentlichen Verwaltung

Name und Alter: Nico Orlik, 23 Jahre 

Ausbildungsberuf: Bürokaufmann

Ausbildungsort: ALBBW in Berlin-Britz

Abschluss: Sommer 2013

Jetzige Anstellung: Assistent in der öffentlichen Verwaltung


Nico Orlik fing im ALBBW zunächst eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) an und entschied sich danach, eine Ausbildung zum Bürokaufmann zu beginnen. Ihm wurde aufgrund seiner Einschränkungen als Rollstuhlfahrer von der Agentur für Arbeit empfohlen, die Ausbildung im ALBBW zu machen. Nach Ausbildungsende arbeitete er einige Zeit in einem Seniorenheim, bevor er dann eine Anstellung in der öffentlichen Verwaltung fand. Hier ist es ihm besonders wichtig, wie alle anderen behandelt zu werden und keinen Sonderstatus zu bekommen. 


Herr Orlik, wie haben Sie vom ALBBW erfahren und wie sind Sie dann ins ALBBW gekommen?

Also, ich bin durch die Bundesagentur für Arbeit zum ALBBW gekommen. Mit 17 hatte ich dort ein Gespräch, mir wurde das Berufsbildungswerk empfohlen. Es wurde gesagt, dass ich wegen meiner körperlichen Einschränkung und meiner nicht so guten Schulnoten wahrscheinlich schlechte Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt hätte, und das ALBBW besser passen würde. Da ich auch noch nicht so wirklich wusste, was ich machen wollte, bin ich auch auf das ALBBW gekommen, weil die eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme anbieten, bei der ich in verschiedene Bereiche hineinschnuppern konnte. Ich habe dann den Büro- und IT-Kaufmann ausprobiert und mich dann für den Bürokaufmann entschieden.  Durch meine körperliche Einschränkung waren das die einzigen Möglichkeiten für mich. Mittlerweile gibt es noch andere Ausbildungen im ALBBW, die mich vielleicht mehr interessiert hätten, aber ich bin auf jeden Fall zufrieden mit meiner Ausbildung. Dadurch bin ich flexibel und habe viele Möglichkeiten. 

Wie verlief Ihre Ausbildung? Glauben Sie, es gab Unterschiede zu anderen Ausbildungen?

Nein, ich glaube nicht. Die Ausbildung war genauso wie woanders auch. In meiner Ausbildungszeit konnte ich auch zwei Praktika absolvieren, die ich beide bei Total Deutschland gemacht habe. Da wurde ich sehr gut eingearbeitet und habe verantwortungsvolle Aufgaben machen können. Das hat mich in meinem Berufswunsch nochmal verstärkt. Der Ausbilder hat mir viel Freiheit gelassen, und ich konnte selbständig arbeiten. Ich hätte da eigentlich auch eine Verzahnte Ausbildung (VAmB) machen können, aber durch interne Umstrukturierungen ging es leider nicht. Aber ich fand es sehr gut, dass ich die Möglichkeit hatte, die richtige Arbeitswelt durch Praktika kennen zu lernen.

Wie ging es dann weiter nach Ihrer Ausbildung?

Ich habe mich dann direkt beworben. Mit der Integrationsberatung des ALBBW hatte ich schon vor meinem Abschluss Kontakt und habe Jobvorschläge bekommen, ebenso wie von meinem Reha-Berater. Es hat nicht sofort geklappt, deswegen habe ich dann eine Zeit lang im Altersheim gearbeitet und die Bewohnerinnen und Bewohner betreut. Dort habe ich auch nochmal viel gelernt und vor allem auch ein neues Weltbild bekommen. Nach drei Monaten habe ich dann meine jetzige Anstellung gefunden. Bei dem Bewerbungsgespräch waren noch sehr viele andere Bewerber und trotzdem habe ich den Job bekommen. 

Was sind Ihre jetzigen alltäglichen Aufgaben?

Ich bin im Sekretariat und meine Aufgaben sind vor allem organisatorisch-administrativer Art. Das heißt Abwesenheiten prüfen, Telefonate führen, E-Mails versenden, Bestellungen ausführen, Post versenden und weiterleiten. Ich unterstütze auch die Kolleginnen und Kollegen bei einigen Aufgaben. Ich versuche, alles Mögliche zu schaffen und auch manchmal Unmögliches möglich zu machen. Ich möchte gerne allen und mir selbst zeigen, was ich kann.  

Werden Sie manchmal anders behandelt als andere?

Nein, eigentlich gar nicht. Ich werde so behandelt wie ich es gut finde, nämlich normal. Ich will nicht in Watte gewickelt werden, sondern als vollwertiges Mitglied gesehen werden. 

Wenn Sie nochmal zurück blicken, was hat Ihnen in Ihrer Ausbildung besonders geholfen?

Ich fand es gut, dass es immer und für alles Ansprechpartner gibt. Ich habe versucht, die verschiedenen Angebote nicht zu sehr zu nutzen, weil es das ja später auch nicht gibt. Aber ich fand es sehr beruhigend zu wissen, dass jemand da gewesen wäre bei einem Problem. Und das waren sie auch, wenn ich mal eins hatte. Die Ausbildung war für mich eine ganz normale Ausbildung und ich habe keinen großen Unterschied zu einer Ausbildung im Betrieb gesehen. Super fand ich, dass die Leute uns normal behandelt haben und mich nicht in Watte gepackt haben. Dieses Immer-der-Andere-Sein kann einen auf Dauer auch kaputt machen. 

Was würden Sie anderen Azubis empfehlen?

Also ich finde es ganz wichtig, die Hilfe, die man im ALBBW bekommt, auch anzunehmen und nicht so negativ an Sachen heranzugehen. Ich war auch in der Teilnehmervertretung und konnte da viel über mich lernen. Ich würde deswegen den anderen Azubis auch empfehlen, solche Ämter und Möglichkeiten zu nutzen, um selber weiter zu wachsen. Das steigert das Selbstwertgefühl und die Toleranz, und man wird stärker. 

Würden Sie das ALBBW weiterempfehlen?

Ja, würde ich. Aber ich würde auch versuchen, den ersten Arbeitsmarkt anzusteuern. Natürlich ist das BBW eine gute Möglichkeit, und ich bin sehr froh darüber, diese Chance gehabt zu haben. Für Menschen mit Behinderung und schlechten Noten ist es auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, und ich würde es klar weiterempfehlen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

(Das Interview wurde 2015 geführt.)