Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin

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Bianca Benzin

ALBBW-Absolventin 2014, Beiköchin im 4-Sterne-Hotel Estrel in Berlin

Name und Alter: Bianca Benzin, 24 Jahre alt

Ausbildungsberuf: Beiköchin

Ausbildungsort: Ausbildungshotel Zeuthen und ALBBW in Berlin-Britz

Abschluss: Sommer 2014

Jetzige Anstellung: Beiköchin im 4-Sterne-Hotel Estrel in Berlin


Bianca Benzin absolvierte eine Ausbildung zur Beiköchin im Ausbildungshotel Zeuthen. Aufgrund ihrer Lernschwäche kam sie ins ALBBW, um hier etwas mehr Zeit und Ruhe während ihrer Ausbildung zu haben. Nach ihrer erfolgreich bestandenen Ausbildung war es für Bianca Benzin wichtig, sofort eine Anstellung zu finden. Im 4-Sterne-Hotel Estrel wurde sie fündig, nicht einmal zwei Monate nach  Abschluss. Besonders ihre Erfahrung im laufenden Hotelbetrieb und ihr Engagement überzeugten ihren jetzigen Arbeitgeber. 


Frau Benzin, Sie haben im Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Ihre Ausbildung zur Beiköchin absolviert und erfolgreich abgeschlossen. Wie sind Sie dazu gekommen, eine Ausbildung im ALBBW zu machen?

Ich wusste schon immer, dass ich länger für manche Aufgaben und fürs Lernen brauche. Das war schon in der Schule so und mit meiner Lese-Rechtschreib-Schwäche war es auch immer sehr schwer. Das Arbeitsamt hat mir dann empfohlen, ins ALBBW zu gehen. Ich wusste vorher gar nicht, dass es so etwas wie eine überbetriebliche Ausbildung gibt. Ich fand das am Anfang gar nicht gut, denn ich wollte nicht ins „Behindertenwerk“ gehen und hatte Angst, einen „Behinderten-Stempel“ aufgedrückt zu bekommen. Aber ich war dann doch sehr froh, es gemacht zu haben, denn mein Ausbildungsort sagt ja nichts über meine Arbeitsfähigkeit nachher aus. Ich habe die gleiche Prüfung gemacht wie alle anderen Auszubildenden in Berlin auch und festgestellt, dass ich teilweise sogar mehr weiß als andere Auszubildende.

Jetzt arbeiten Sie, nicht einmal ein Jahr nach Ihrer Ausbildung, im größten Hotel Deutschlands. Wie haben Sie das geschafft?

Vor allem durch sehr viel Ehrgeiz, Arbeit und Glauben an mich selber. Nach meiner Ausbildung bin ich sofort zur Integrationsberatung des ALBBW gegangen. Die haben mir sehr geholfen, und auch ich habe mich sehr angestrengt und bin fast jeden Tag hingegangen, da ich auf keinen Fall arbeitslos werden wollte. Mit den Mitarbeitern der Integrationsberatung habe ich dann verschiedene Stellenausschreibungen gefunden und mich beworben. Ich wurde auch von einigen Restaurants und Hotels gleich zu einem Probearbeitstag eingeladen, das hat aber am Anfang nicht gleich geklappt. Ich habe mich dann aber weiter bemüht und alle Hilfe von der Arbeitsagentur und vom ALBBW angenommen. So kam ich dann auch zum Bewerberfachtag im Estrel, wo ich mir eigentlich gar nicht so viele Hoffnungen gemacht habe. Aber dann waren sie doch von mir überzeugt, vor allem da ich schon so viele Erfahrungen in der Hotelarbeit durch meine Ausbildung im Ausbildungshotel in Zeuthen gesammelt habe. Ich kannte schon einige Techniken und Abläufe und war vor allem das frühe Aufstehen schon gewohnt. Außerdem hatte ich an der Jugendmeisterschaft für Beiköche teilgenommen und den vierten Platz erreicht. Das hat gezeigt, dass ich sehr interessiert und engagiert bin in meinem Beruf. So ist aus einem Bewerberfachtag ein Bewerbungsgespräch für mich geworden, bei dem ich dann auch gleich eingestellt wurde.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus, was für Aufgaben müssen Sie täglich bewältigen?

Ich bin vor allem im Frühstücksdienst tätig. Ich bereite das Buffet vor und helfe in der Küche bei den Schneidearbeiten. Ich habe auch schon in anderen Bereichen gearbeitet, aber mein Hauptgebiet ist der Frühstücksdienst. Da muss ich sehr früh aufstehen, sogar teilweise früher als in Zeuthen. Da ist es gut, dass ich das jetzt schon so lange Zeit üben konnte und es gewohnt bin.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an einer Ausbildung im ALBBW?

Im ALBBW nehmen sich alle mehr Zeit für dich. Es geht nicht alles so schnell und mit Druck, wie im normalen Betrieb. Die Ausbilderinnen und Ausbilder kümmern sich mehr um jeden einzelnen von uns Auszubildenden und geben uns mehr Zeit und Ruhe. Für mich war auch die Teamfähigkeit in der Ausbildung super und das Verhältnis zwischen den Auszubildenden und den Ausbilderinnen und Ausbildern. Jeder hier hat seine Probleme und da wird Rücksicht drauf genommen, aber trotzdem wird auch gefordert.

Mir persönlich haben auch die verschiedenen Begleitenden Dienste sehr weitergeholfen, die die Auszubildenden betreuen. Ohne den Sozialdienst und meine Psychologin hätte ich meine Ausbildung nicht geschafft. Während der Ausbildungszeit bin ich an einer schweren Depression erkrankt und durch deren Hilfe bin ich da wieder rausgekommen. Die haben an mich geglaubt und mir immer wieder gesagt, dass ich es schaffen kann, auch wenn ich das nicht mehr glauben konnte. Und am Ende hat es gewirkt, ich habe den Glauben an mich zurückbekommen und habe wieder angefangen zu kämpfen. Nur so konnte ich meine Ausbildung schaffen und einen so guten Job bekommen.

Sie haben ja auch im Internat gewohnt, inwieweit hat Ihnen das geholfen?

Das Internat hat mir sehr geholfen, selbständig zu werden. Ich habe gelernt, für mich selber verantwortlich zu sein, aber auch für andere. Der geregelte Tagesablauf hat dafür gesorgt, dass ich bei meiner Ausbildung bleibe und weitermache. Auch hier wurde ich von den Betreuern sehr unterstützt, um wieder in die Bahn zu kommen. Ohne das Internat würde ich es jetzt nicht schaffen, alleine in einer Wohnung zu leben und für mich zu sorgen.

Was würden Sie anderen Auszubildenden im ALBBW empfehlen?

Auf jeden Fall die Ausbildung ernst zu nehmen. Mein Ausbilder meinte mal, wer es hier drinnen nicht schafft, der schafft es da draußen erst recht nicht. Und ich denke jetzt: Damit hat er Recht. Ganz wichtig sind Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Und genau das haben viele Auszubildende nicht, weil sie es nicht ernst nehmen. Im ALBBW wird über einiges hinweg gesehen, das passiert draußen nicht. Gerade um einen Job zu finden, muss man sich selber sehr anstrengen, sonst kann man schnell arbeitslos werden und mit Hartz IV dasitzen. Viele denken vielleicht auch, dass sie eh keiner nehmen wird, weil sie ja aus einer Ausbildungsstätte für Menschen mit Behinderung kommen. Aber das ist nicht so, ich bin ja ein Beispiel dafür.

Wenn man im Beruf ist, würde ich immer empfehlen, den Chefs gleich zu sagen, wenn man Probleme oder Einschränkungen hat. Dann können die sich darauf einstellen. Bei mir versuchen die jetzt schon Rücksicht zu nehmen und nehmen kleine Fehler nicht ganz so ernst.

Würden Sie jetzt im Nachhinein das ALBBW weiterempfehlen?

Ich würde es weiterempfehlen für die, die etwas mehr Hilfe brauchen. Für mich war es super und für viele andere auch. Das finde ich so klasse am BBW, dass sie die Menschen einfach irgendwie so anspornen, weiterzukämpfen und sich selber weiterzuentwickeln. Wenn man diese Chance bekommt, würde ich auf jeden Fall empfehlen, sie anzunehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

(Das Interview wurde 2015 geführt.)