Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin

Unsere Namensgeberin

Annedore Leber (geb. Rosenthal, 1904-1968) war Publizistin, Verlegerin und Politikerin. Sie war mit dem Reichtagsabgeordneten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Julius Leber, verheiratet. 

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Annedore Leber in Berlin, Fürstenwalde und Lübeck. Nach dem Abitur begann sie zunächst ein Jurastudium, wechselte jedoch später in eine Ausbildung zur Schneidermeisterin. 1927 trat sie in die SPD ein. Im selben Jahr heiratete sie Julius Leber. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. 

Nahezu unmittelbar nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 wurde Julius Leber verhaftet und bis 1937 in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern festgehalten. Annedore Leber war in dieser Zeit als Schneidermeisterin tätig und konnte so den Unterhalt für sich und die Kinder aufbringen. Nach seiner Entlassung aus dem KZ setzte Julius Leber als Kohlenhändler getarnt in Berlin-Schöneberg seinen Widerstandskampf fort. 1944 wurde er erneut verhaftet und bei einem Schauprozess zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 5. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee vollstreckt. 

Die Zeit nach 1945 war durch eine rege politische Tätigkeit Annedore Lebers gekennzeichnet. Im Oktober 1945 wurde sie zur Leiterin des Frauensekretariats der SPD und in den Zentralausschuss der Partei gewählt. Von 1954 bis 1962 war sie Bezirksverordnete von Berlin-Zehlendorf und von 1963 bis 1967 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. 

Nach dem Krieg begann Annedore Leber auch als Publizistin zu wirken: 1947 gründete sie in der ehemaligen Kohlenhandlung in Berlin-Schöneberg, der Wirkstätte der Widerstandskämpfer um Julius Leber, den „Mosaik Verlag“ (1961 umbenannt in „Verlag Annedore Leber“). Hier wurden vor allem politische und pädagogische Bücher veröffentlicht. Ein Schwerpunkt der verlegten Schriften war der Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime.

Neben ihrer publizistischen und politischen Arbeit setzte sich Annedore Leber vor allem für junge Menschen ein, die unter der hohen Arbeitslosigkeit nach dem Krieg litten. Als Vorsitzende des Vereins „Handwerker-Lehrstätten e.V.“ trieb sie den Bau einer Ausbildungsstätte für junge Menschen in Berlin-Britz voran. Im Juni 1952 wurde der Grundstein für die „Handwerker-Lehrstätten Britz“ gelegt.  

Annedore Leber starb am 28. Oktober 1968 in Berlin und wurde auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in einem Ehrengrab beigesetzt. In Anerkennung und Würdigung ihrer Verdienste erhielt das 1979 auf dem Gelände der „Handwerker-Lehrstätten Britz“ eröffnete Berufsbildungswerk den Namen „Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin“